Tod, Gericht, Himmel und Hölle

 

  • Poetik-Festival, II. Phöbus Poësie 
    Korrelation | Die vier ersten und letzten Dinge


    Mit Autoren des Münchner scaneg Verlags:

    Donnerstag, 1. Dezember 2016 
    Sebastian Goy
     
    (Dichter, Hörspielautor)
    Elisabeth Günther (Schauspielerin)
    Anton Kaun (Video/Noise-Artist)

    Freitag, 2. Dezember 2016 
    Xóchil A. Schütz (Autorin, Spoken-Word-Künstlerin)

    Samstag, 3. Dezember 2016 
    Peter K. Wehrli
     (Schriftsteller, Filmemacher)

    Sonntag, 4. Dezember 2016 
    János Stefan Buchwardt
     (Sprach- und Textarbeiter)
    Roman Glaser (Querflötist)

    Mediator: Matthias Klein (Verleger)

    1. – 4. Dezember 2016, jeweils 19 Uhr

    Gastbeitrag: Kulturbüro der Stadt Konstanz / Matthias Klein

 

 

KORRELATION
Von den vier ersten und letzten Dingen

Die vier letzten Dinge sind im theologisch­‐dogmatischen Bereich fest verankert. Sie sind auch (im Gegensatz zu den vier ersten Dingen) genau festgelegt: Tod, Gericht, Himmel und Hölle.

Die ersten und letzten Dinge sind zunächst persönlicher Natur, können aber auch universell auf die Vollendung der gesamten Menschheit bezogen werden. Zwischen den Polarisationen der ersten und letzten Dinge bleibt eine Strecke, die von vier verschiedenen Dichtern mit ihren eigenen unterschiedlichen Darstellungsweisen und Ausdrucksvermögen beschritten wird. Dabei überführen sie die theologische Substruktion durch Wechselbeziehung in den Bereich der Poesie.

Sebastian Goy, geboren in Stuttgart und Autor vieler Hörspiele, Drehbücher und Prosaveröffentlichungen, bewegt sich mit seinen beiden Mitstreitern (der Schauspielerin Elisabeth Günther und dem Geräusch‐ und Rumpelkünstler Anton Kaun) in seinem Langgedicht von 66 Seiten »Ans Leben verloren« zwischen Schöpfung und Weltgericht. Der Text sucht sich als Welttheater seine Form und seinen Rhythmus, indem er dem galoppierenden Inhalt folgt, sich im Sinne von Input und Output abrufen lässt, dann dem Gestaltungsprozess behutsam ausgeliefert wird. Bereits in der Darstellung der drei Agierenden wird eine Korrelation erkennbar, die dann durch Konfrontation der ersten und letzten Dinge noch verstärkt wird.

Ganz anders geht die als Slam-­Poetin bekanntgewordene Xóchil A. Schütz vor. Mit ihrer zarten und einfühlsamen Stimme kreiert sie einen magischen Sprechgesang, der den Weg zwischen Lebensbeginn und Tod, ihrem Korrelationsthema, nachzeichnet. Den Vornamen brachten die Eltern der in Mannheim geborenen aus Mexiko mit. Er stammt aus der Nahuatl-Sprache der Chichimeken und bedeutet »Maisblüte«. Der Name klingt wie ein Programm: Leben und Poesie, Poesie und Tod, schreiben und performen – seit mehr als einem Jahrzehnt europaweit in über 400 literarischen Live‐Auftritten. Sie trägt aus ihren zwei »Windland«‐Bänden vor, die als parallele Lebenswege angelegt sind.

Der Schweizer Peter K. Wehrli ist Chronist seiner Reisen und Weltbegehung. Statt mit Fotoapparat dokumentiert er seine Schau mit Worten und Sentenzen. Seine Reisen führten den Schriftsteller und Filmemacher durch halb Afrika, Südamerika und besonders durch Länder mit portugiesischer Sprachtradition. Seine engagierte Teilnahme an der Thomas Mann Familie brachte ihm den Posten des Vizepräsidenten des eurobrasilianischen Kulturzentrums »Julia Mann« in Paraty, Rio de Janeiro, Brasilien ein. Der Schwerpunkt seines Korrelations-Auftritts sind die Gegensätze Paradies und Inferno. Beide finden ihre Wurzeln nicht im theologischen Jenseits sondern in dem irdischen Diesseits der Welt mit seinen Landschaften, Menschen und Geschichten. Sowohl aus seinem »Katalog von allem«, ein fortlaufendes Projekt von Reiseeindrücken seit den 1970er Jahren, wie auch aus seinem »Kapverdischen Dezember« liest Wehrli vor. Die Kapverdischen Inseln werden hier zwischen Erwartung, Durchführung und Erinnerung eines Aufenthaltes porträtiert.

Für den Deutsch-­Schweizer János Stefan Buchwardt liegt sein Korrelationsbeitrag in dem poetischen »Kreuzfeuer der Musen«. Dort wird einerseits die Wechselbeziehung zwischen den Musen, Poetenzögling und einem räsonierenden Alter Ego zur Anschauung und dann vom Autor selbst zur Darstellung gebracht. Andererseits spielen hier die Gegensätze Elysium und Tartarus eine tragende Rolle in der dichterischen Auseinandersetzung mit dem Bühnenpersonal. Unterstützt wird der Autor dabei vom Zürcher Querflötisten Roman Glaser mit kontrapunktischer Begleitung.

Matthias Klein wird als Mediator der Korrelation an allen vier Abenden die Dichter und ihre Werke einführen.