Kunst verwirklicht sich in der Freiheit des Geistes

»… denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit«

Johann Christoph Friedrich von Schiller
(1759 - 1805), deutscher Dichter und Dramatiker

 

Hinter Kulisse und Stirn – Was interessiert uns daran? Das Missverhältnis zwischen dem, was hinter menschlicher Stirn ausgeheckt wird, und dem nach außen Vorgespiegelten. Kulisse als Konstrukt der Täuschung, ausgestattet mit List, Winkelzug und Tücke. Politisch, mythologisch, auf dem Felde der Architektur. Inspiriert vom persönlichen Unbehagen an der Gegenwart, gleichzeitig angetrieben vom landläufigen Phänomen schweigender Akzeptanz bieten wir die Möglichkeit, sich sowohl sachlich als auch poetisch diskursiv unkonventionellen Erfahrungen und Erkenntnissen zu stellen.

 

Den Teufel an die Wand malen und ihn so besser einschätzen lernen. – Wenn wir partiell brandaktuelle Kontexte aufgreifen, wie etwa die pauschalisierenden Ressentiments des gegenwärtigen Populismus, sei damit ausgelotet, in welchem Ausmaß Kunst auch als politische Missionsträgerin gehandelt werden darf. Das Korsett des Selbstzwecks zu sprengen, muss heißen, gescheit anzustoßen ohne vordergründig oder anstößig zu werden.

 

Detaillierter ausgedrückt befassen wir uns mit dem Aufspüren gelenkter Bewusstseinsstrukturen und dem skeptischen Hinterfragen ebensolcher Welten. Wo künstlerische Streifzüge menschengemachte Entwicklungen kritisch fokussieren, bedienen wir uns freiweg symbolträchtiger, allegorischer und theatraler Perspektiven. So sprechen wir uns gegen missbräuchliche Manipulationen aus und plädieren gleichzeitig für eine Rückbesinnung auf humanistische Werte. 

 

 

»Eine überlegte und gezielte Einbindung bewegender Zeitgeschehnisse soll uns davor bewahren, zu Trittbrettfahrern gierig aufgeschnappter Tagesaktualitäten zu werden. Ganz im Gegenteil: Wir möchten den Mut zum Dissens und zur Geistesfreiheit gestärkt sehen.«

 

Christian Lippuner – Dass viele Dinge und Begebenheiten unseres täglichen Lebens Fassadencharakter tragen und davon leben, ist grundsätzlich nichts Neues. Bis zu einem diskutierbaren Grad ist das auch tolerierbar, wenn nicht sogar erstrebenswert. Das gilt für Statussymbole, Luxusutensilien, stilvolle Accessoires gleichermaßen wie für Gesinnungen, Rollen und Positionierungen. Wenn solche Züge der Verstellung, der sozialen Zurschaustellung oder Manifestation hingegen menschlich und politisch Fragwürdiges oder sogar Desaströses (ver)bergen, sehe ich mich unmissverständlich aufgefordert zu enthüllen und zu sensibilisieren, in der mir eigenen künstlerischen Ausdrucksweise.

 

János Stefan Buchwardt – Sprachspielerisch ließe sich fabulieren: »Manöver zur Tarnung, durchtränkt von Pracht, List und Doktrin. Jede Ausformung Lockvögelei: Boom der Blüten, ein Volk aus Frauen, holde Triebfedern der Kunst. Der Planet liegt im Clinch? Wo Natur vom Bluff der Kostümierung lebt, stolzieren Gockel einher, über Landstriche und Erdteile hinweg. Maskierte Weltenretter, sie biedern sich an. Trojanisches Gewieher, wohin das Ohr langt. Phantome, wohin das Auge Atons reicht. Dummys unter Baumreihen; Zellenkapriolen der Evolution, millionenfach. Mutiert nur zur Vorgaukelei, im Spiel eines Schaustellers, sich entpuppend in immer neuem Schlupflochgewand. Scheinheilig die Hoden leckend, Hehler und Schlepper Gelächter im Hintergrund – im Wissen um das Verschnürtsein im Gesamtgeflecht. Parliert nur, Menschenrechtler! Gleichwohl, wir werden gerichtet. Despoten in mir im Disput, gallig im Winkel geballter Faust. Wenig weniger Goethe gefällig? Tartüfferie in Versen. Stets paarungsbereit, euch bärbeißigen Eigendünkels entledigend. Entzunden, gut. Für die Katz – nicht sei's verlacht – der unsrige, dein Odem? Ganz einfach: Bewahre warme Lieb und wilden Kreis, in bessre Welten du entrückt.«

 

Stefan Postius – Thematische Querverbindungen sind uns wichtig. Der Umstand, dass sich unser Kollektiv aus einem Schweizer, Deutsch-Schweizer und Deutschen zusammensetzt, bringt es mit sich, dass wir länderübergreifend, aber auch interdisziplinär in einen Dialog treten. Es geht darum, unsere Leitgedanken anhand brisanter Themen aufzurollen, in Begleitveranstaltungen Diskurse anzuregen. Die Ausstellungsinhalte weitertreiben, zum Meinungsaustausch einladen, das scheint uns geradezu notwendig. Unsere Schwerpunkte speisen sich aus Schlagwörtern wie Polarisierung, Manipulation oder ideologisches Irrläufertum. Bezugnahmen auf rechte Tendenzen, die Flüchtlingssituation, auf soziale Brennpunkte, Städtebau und politische Maskerade sind vorgesehen. Ganz besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem Theater Konstanz und auf den prominent besetzten Abend zu Fragen im Umfeld der Architektur.