Leises Manifest der Ödnis

Ausschnitt aus der Videoinstallation Urban Layers / City 5

 

  • Vernissage Gastkünstlerbeitrag:
    »Urban Layers / City 5« von Ernst Thoma

    Dienstag, 1. November 2016, 18 Uhr
    Ausstellungsdauer bis Ende November



Die magisch anmutende Videoarbeit »Urban Layers« ergänzt und bereichert die in die Ausstellung eingebrachten Schlaglichter auf das Umfeld der Architektur. In langatmigen Montagerhythmen zerfließen Gebäudeausschnitte zu bewegten und bewegenden, aber größtenteils entvölkerten Großstadtszenerien, in- und übereinander, alptraumhaft und nicht zuletzt an das futuristische Metropolis eines Fritz Lang erinnernd. Über suggestiv eingesetzte Mittel der Collage rollt Ernst Thoma erdrückend Aufgetürmtes auf. Dennoch und nachgerade mystisch, die düsteren Überblendungen bedrohlicher Monumentalität verweben sich zu einem leisen poetisch-ästhetischen Manifest. In solcher Liaison zwischen technoid gemeißelter Fassadenwelt und urbaner Kulissenverzauberung liegen Faszination und Schauder bedrohlich nah beieinander. Der verstörende Charakter der Videomontage wird mittels eines untergründig beunruhigenden Soundteppichs um akustische Detailkombinationen erweitert. Der Mensch bleibt hier zwar nicht ausgespart, wird aber nur im Lichte eines einseitig ökonomischen Verständnisses als willensschwach funktionierendes Wesen beschrieben. (jstb)

 

(Die Arbeit war vor nicht allzu langer Zeit in der Überblicksschau zur Gegenwartskunst des Kunstvereins Singen im Kunstmuseum Singen zu sehen.)

 

www.sounddesign.ch
www.brainsurfing.net

 

Ernst Thoma ist in den Bereichen der elektronischen Musik, des Sounddesigns und der Multimedia-Anwendung tätig, er arbeitet mit visuellen und auditiven Medien. Nach der F+F Schule für Kunst und Mediendesign (Zürich) folgten Studien am elektronischen Studio der Musik-Akademie Basel bei David Johnson, die die Auseinandersetzung mit Audioarbeiten in den Vordergrund rückten.

In den 80er-Jahren war Thoma als Mitbegründer und Komponist der experimentellen Musikgruppe UnknownmiX mit der Sängerin Magda Vogel und dem Typographen H.R. Lutz in über 250 Konzerten in ganz Europa unterwegs. Weitere musikalische Projekte realisierte er mit dem Schlagzeuger Knut Remond (TV-TOTEM) und mit Stephan Wittwer, Andres Bosshard und Alfred Zimmerlin (Polyphonie Zürich). Seit Mitte der 90er-Jahre widmet er sich wieder vermehrt dem Bereich der audiovisuellen Kunst. Waren es anfänglich reine Video-Ton-Arbeiten, so verlagerte sich das Interesse immer mehr Richtung Bearbeitung und Reanimation von Standbildern. Dies führte schließlich zu einer Synthese von Malerei und Video. Heute sind die Interaktivität von Bild und Ton und die Gestaltung von 3D-Klangräumen wichtige Bestandteile seines Schaffens.